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Einbruchsicherungen für Fenster im Überblick
07. Januar 2026Fenster sind leider das Einfallstor Nummer eins für Einbrecher. Statistiken zeigen, dass die meisten Täter versuchen, sich durch Fenster oder Terrassentüren Zugang zu verschaffen, da diese oft als die schwächsten Glieder der Gebäudehülle gelten.
Wir erklären Ihnen hier, welche Techniken Kriminellen das Leben schwer machen und warum der beste Schutz immer die Kombination aus zertifizierter Technik und fachgerechter Montage ist.
An welchen Schwachstellen am Fenster setzen Einbrecher an?
Einbrecher suchen nach dem schnellsten, leisesten und einfachsten Weg. Bei Fenstern greifen sie meist an drei Hauptstellen an:
1. Am Beschlag (Aufhebeln)
Aufhebeln ist die mit Abstand häufigste und beliebteste Einbruchsmethode bei herkömmlichen Fenstern, da sie schnell und leise ist.
Mit einfachen, aber stabilen Werkzeugen wie einem breiten Schraubendreher oder einem kleinen Kuhfuß setzen die Täter am Fensterrahmen an, meistens an der unteren oder seitlichen Kante des Fensterflügels. Sie nutzen die Hebelwirkung, um den Fensterflügel mit Gewalt aus dem Rahmen zu drücken.
Bei Standardfenstern ohne Sicherheitsbeschläge bestehen die Verankerungen (die sogenannten Rollzapfen) lediglich aus runden Metallstiften, die in einfachen Schließblechen geführt werden. Unter Druck springen diese Zapfen leicht aus ihren dünnen Blechen heraus.
Ein geübter Täter kann ein ungesichertes Fenster auf diese Weise oft in unter 60 Sekunden überwinden, ohne viel Lärm zu verursachen. Hier setzt die mechanische Einbruchsicherung für Fenster an, indem sie diesen Hebelversuch verzögert und verhindert.
2. Am Glas (Einschlagen/Durchgreifen)
Obwohl das Zerschlagen von Glas lauter ist, wird diese Methode gezielt an Orten angewandt, wo die Täter sich sicher fühlen, nicht sofort entdeckt zu werden.
Hierbei schlagen die Einbrecher ein kleines Loch in die Fensterscheibe, nahe am Fenstergriff. Anschließend greifen sie durch die Öffnung, um den Griff einfach umzulegen und das Fenster zu öffnen. Herkömmliches Einfach- oder Isolierglas bietet kaum Widerstand. Sobald die Öffnung groß genug für die Hand ist, ist der Weg ins Innere frei.
Diese Taktik ist besonders häufig bei Kellerfenstern oder Fenstern im Souterrain zu beobachten, die von Bäumen, Büschen oder Mauern verdeckt werden und somit außer Sichtweite liegen. Hier ist der Einsatz von Sicherheitsglas (mindestens P4A) oder effektiven Einbruchsicherungen für Kellerfenster hilfreich.
3. Am Griff (Manipulation)
Der Fenstergriff ist oft das letzte Hindernis, nachdem die mechanischen oder glastechnischen Barrieren überwunden wurden. Wenn der Griff nicht abgeschlossen oder gesichert ist, kann er einfach gedreht werden.
Viele Fenstergriffe haben keine abschließbare Funktion. Sobald die Pilzkopfzapfen überwunden sind oder Täter/Täterinnen durch ein Loch im Glas greifen können, lässt sich der Griff frei bewegen, das Fenster öffnet sich vollständig.
Abschließbare Fenstergriffe verhindern, dass der Mechanismus des Fensters auch bei überwundenen Beschlägen manipuliert werden kann. Sie dienen als wichtige Ergänzung zur mechanischen Verriegelung.
Mechanische Absicherung von Fenstern (RC-Normen)
Der beste Schutz ist die mechanische Verzögerung. Ziel ist es, den Einbruchsversuch so lange zu verzögern (mindestens 3 Minuten), bis der Täter aus Zeitdruck oder Angst aufgibt. Hier spielt die Widerstandsklasse (RC) eine entscheidende Rolle.
Die europäische Norm DIN EN 1627 definiert die Widerstandsklassen (RC - Resistance Class). Sie geben an, wie lange ein Fenster einem bestimmten Täterprofil mit definierten Werkzeugen standhalten muss.
- RC 1 N: Ein geringer Grundschutz, der primär spontanen Gelegenheitsdieben standhält.
- RC 2 N: Der empfohlene Mindestschutz für private Haushalte. Das Fenster hält dem Aufhebeln mit einfachen Werkzeugen (Keile, Schraubendreher) durch einen Täter für mindestens 3 Minuten stand.
- RC 3: Bietet Schutz gegen das Aufhebeln mit zusätzlichem Werkzeug wie einem zweiten Schraubendreher oder einem Kuhfuß.
Wenn Sie neue Fenster anschaffen, wählen Sie immer mindestens die RC2-Klasse. Bei Nachrüstungen sollten die verwendeten Komponenten diesem Standard entsprechen.
Bausteine der effektiven Fenstersicherung
Die RC-Widerstandsfähigkeit wird durch die Kombination folgender Bauteile erreicht:
1 Pilzkopfverriegelung
Statt einfacher Rollzapfen kommen Pilzkopfzapfen zum Einsatz. Diese verzahnen sich beim Schließen des Fensters formschlüssig mit den dazugehörigen Sicherheitsschließblechen (oft aus Stahl). Beim Versuch, das Fenster aufzuhebeln, verhaken sie sich, anstatt einfach aus der Verankerung zu gleiten. Dies ist der wichtigste Baustein einer modernen Fenstersicherung gegen Einbrecher.
2 Abschließbare Fenstergriffe
Wie bereits in unserem Artikel zur Kippsicherung erwähnt, verhindern diese Griffe das Öffnen des Fensters von innen, selbst wenn das Glas eingeschlagen wurde oder das Fenster aufgehebelt ist.
3 Sicherheitsglas
Sicherheitsglas (mindestens P4A nach EN 356) hält dem Einschlagen mit einem Stein oder Hammer länger stand als herkömmliches Glas. Es ist besonders gut geeignet für schlecht einsehbare oder leicht zugängliche Fenster.
Nachrüsten von Zusatzsicherungen für bestehende Fenster
Nicht immer ist ein Austausch der Fenster nötig. Bestehende Fenster können mit hochwertigen Zusatzschlössern effektiv nachgerüstet werden.
Zusatzschlösser: Schutz an der Griffseite
Hier sind Schwenkriegel- oder Bolzenschlösser ideal.
Ein Fensterschloss mit Schwenkriegel wird auf dem Rahmen befestigt und verankert den Fensterflügel mithilfe eines Schwenkriegels fest mit dem Rahmen. Diese Schlösser bieten einen extrem hohen Widerstand gegen das Aufhebeln.
Zur Fenstersicherung ohne Schlüssel (Druckzylinder) bieten einige Modelle eine Verriegelung durch einfachen Knopfdruck. Sie sind schnell und bequem im Alltag, benötigen aber zum Entriegeln dennoch einen Schlüssel.
Bandseitensicherungen: Schutz an der Scharnierseite
Gerade bei Fenstern, die sich nur auf einer Seite öffnen lassen, muss die Scharnierseite geschützt werden.
Zusätzliche Scharnierseitensicherungen blockieren das Fenster an der Scharnierseite (Bandseite) und verhindern so, dass es komplett aus dem Rahmen gedrückt werden kann.
Spezialfall: Einbruchsicherung für Kellerfenster
Kellerfenster verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie oft klein, unauffällig und schwer einsehbar sind. Einbrecher können hier ungestört arbeiten.
- Gitterroste und Lichtschächte sichern: Kellerfenster liegen oft in Lichtschächten. Sichern Sie zunächst die Gitterroste gegen einfaches Anheben durch eine Rost- oder Kellerschachtsicherung.
- Vergitterung: Ein fest verankertes, geprüftes Kellergitter ist die robusteste Einbruchsicherung für Kellerfenster. Das Gitter muss professionell im Mauerwerk verankert sein.
- Zusatzschlösser: Verwenden Sie spezielle, abschließbare Riegel oder Querriegel für kleine Kellerfenster.
Kann man eine Fenstersicherung selbst bauen?
Im Internet kursieren viele Tipps, als Profis würden wir Ihnen davon eher abraten.
Selbstgebaute Lösungen bieten keinen geprüften, definierten Widerstand (keine RC-Klasse). Sie können dem Hebelversuch eines entschlossenen Täters oft nicht standhalten. Nur zertifizierte und VdS-anerkannte Produkte gewährleisten, dass die Montage und die Technik den hohen Sicherheitsstandards entsprechen.
Im Schadensfall kann die Versicherung argumentieren, dass keine professionellen Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, was zur Kürzung oder Ablehnung der Leistung führen kann.
Wir beraten Sie gerne zu Lösungen zur Fenstersicherung
Die wirksame Fenstersicherung ist keine Frage des Zufalls, sondern der richtigen Planung und Montage. Allein das Anbringen eines abschließbaren Griffs reicht oft nicht aus. Es geht darum, die Komponenten so zu wählen und zu installieren, dass sie die Widerstandsklasse RC2 erreichen.
Wir beraten Sie gerne zur für Ihre Fenster passendste Lösung.
Kontaktieren Sie uns jederzeit – wir sind für Ihre Sicherheit da!
Hier gehts zu unseren Leistungen rund um die Fenstersicherung →

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